{"id":410,"date":"2008-12-17T17:39:00","date_gmt":"2008-12-17T16:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/?p=410"},"modified":"2021-01-25T17:48:46","modified_gmt":"2021-01-25T16:48:46","slug":"runder-tisch-religion-und-psychiatrie-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/runder-tisch-religion-und-psychiatrie-in-berlin\/","title":{"rendered":"Runder Tisch \u00bbReligion und Psychiatrie\u00ab in Berlin"},"content":{"rendered":"\n<p>Eingeladen vom Verein f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit e. V. fand am 3.12.2008 in Berlin in der Friedrich von Bodelschwingh Klinik ein erstes interreligi\u00f6s\u2013psychiatrisch-trialogisches Treffen statt.<br>Schon zwei Jahre zuvor hatte der Verein eine Fachtagung zum Thema \u00bb <a href=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/religion-und-psychose-sinnsuche-und-sinnstiftung-im-psychiatrischen-alltag\/\" data-type=\"post\" data-id=\"395\">&#8222;Religion und Psychose &#8211; Sinnsuche und Sinnstiftung im psychiatrischen Alltag&#8220;<\/a> veranstaltet und im Jahr 2008 in der Berliner Urania einen \u00bb <a href=\"http:\/\/www.urania.de\/programm\/2008\/Q760\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gesundheitstag<\/a> zu dieser Thematik mit \u00fcber 300 Teilnehmern organisiert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"130\" src=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-content\/uploads\/20090125_112907_Round-table.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-412\"\/><figcaption>Teilnehmer des 1. Treffens Religion und Psychiatrid<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund war in Berlin von mehreren Seiten, von Psychiatern und vor allem auch von Krankenhaus-Seelsorgern psychiatrischer Kliniken der Wunsch nach einem strukturierten <strong>Dialog zwischen \u201ePsychiatrie\u201c und \u201eReligion\u201c<\/strong> artikuliert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein die Provenienz der am 3.12.2008 in der Friedrich von Bodelschwingh Klinik versammelten Teilnehmer kann als bemerkenswert bezeichnet werden. So waren neben niedergelassenen Psychiatern und Psychotherapeuten, Klinikleitern und weiteren Psychiatrieprofessionellen, Vertreter der Angeh\u00f6rigen und der Betroffenen mehrere Vertreter der christlichen Kirchen, der muslimischen Community und des j\u00fcdischen Wohlfahrtsverbandes anwesend. Bereichert wurde der Teilnehmerkreis durch renommierte Religions-wissenschaftler.<br>Gemeinsam gingen sie in ihrem dreist\u00fcndigen Treffen zwei Kernfragen nach:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Religi\u00f6ses Leben und Spiritualit\u00e4t finden sich in vielgestaltiger Form auch bei den Menschen in einer s\u00e4kularen Metropole wie Berlin.<br>Die Herausforderung letzter Seinsfragen wird die Menschen auch in der Zukunft begleiten. Religi\u00f6ses Erleben, spirituelle Orientierung und eine pers\u00f6nliche Seinsbegr\u00fcndung bilden auch f\u00fcr Gro\u00dfstadtmenschen oft entscheidenden existentiellen Halt.<br>Die religi\u00f6sen Gemeinschaften bieten dar\u00fcber hinaus eine wichtige M\u00f6glichkeit der sozialen Vernetzung und der Integration. Dies alles gilt besonders f\u00fcr psychisch Kranke bzw. Menschen in psychischer Not.<br><br>Wie kann \u201edie Psychiatrie\u201c, d.h. konkret wie k\u00f6nnen die versorgende psychiatrische Klinik, der ambulant t\u00e4tige Psychiater, der Psychotherapeut, der Sozialarbeiter, der Pfleger dem spirituellen Bed\u00fcrfnis des Psychiatrie-Patienten besser gerecht werden und wie kann \u201edie Psychiatrie\u201c den religi\u00f6sen Glauben und die individuelle Sinngebung st\u00e4rker als Bew\u00e4ltigungs-Ressource in den Gesundungsproze\u00df positiv einbeziehen?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"2\"><li>Psychisch Kranke finden im Glauben und in Kirchen und Glaubens-gemeinschaften sehr h\u00e4ufig besonderen Trost und Hoffnung, Zuspruch, Sinngebung, Ruhe, Entlastung und Vergebung u.a.m..<br>In den Glaubensinhalten werden h\u00e4ufig Kategorien wie z.B. Schuld, Scham und Strafe thematisiert, zu denen auch psychisch irritiert-verst\u00f6rte Menschen eine besondere Affinit\u00e4t aufweisen; eine \u00dcber-Identifizierung mit Teilaspekten religi\u00f6ser Glaubensinhalte kann auch zur Verst\u00e4rkung psychiatrischer Symptome beitragen. Den religi\u00f6sen Gemeinschaften kommt eine besondere Verantwortung f\u00fcr Menschen mit psychisch Krisen und Erkrankungen zu.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wie kann f\u00fcr Mitglieder von Glaubensgemeinschaften und Kirchengemeinden, wenn sie psychisch in Not geraten oder psychisch erkrankt sind, die wissenschaftlich begr\u00fcndete psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung verbessert werden?<br>Diese Frage stellt sich in besonderer Weise, wenn psychisch Erkrankte sich esoterischen Gemeinschaften bzw. Sekten angeschlossen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer lebhaften und durch eindrucksvolle pers\u00f6nliche Erfahrungsberichte und theoretisch fundierte Beitr\u00e4ge gepr\u00e4gten <strong>Diskussion<\/strong> kamen die Teilnehmer darin \u00fcberein, das begonnene Gespr\u00e4ch, den interreligi\u00f6s-psychiatrisch-trialogischen Diskurs fortzusetzen. Handlungsbezogenheit und konkrete Ausrichtung auf die reale Versorgung psychisch Kranker sollen dabei die wesentlichen Vorgaben sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret wurden bereits einige <strong>Aufgabenfelder<\/strong> definiert wie das Erstellen einer Liste von kultur-kundigen \u00c4rzten, Betreuern, Ansprechpartnern sowie einer Literaturliste mit hilfreichen Texten.<br>Dar\u00fcber hinaus soll an Konzepten zur Wissensvermittlung \u00fcber Religionen an Psychiatrie-Professionelle sowie zum Transfer von psychiatrischem Wissen in kirchliche Gemeinden und religi\u00f6se Gemeinschaften gearbeitet werden.<br>Das n\u00e4chste Treffen soll Ende April 2009 stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"130\" src=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-content\/uploads\/20070406_230748_Tagungstitel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-406\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Unter dem Titel <strong>\u00bbSeelische Erkrankung, Religion und Sinndeutung\u00ab<\/strong> ist im Psychiatrieverlag ein erweiterter Tagungsband erschienen, der v.a. die Referenten- und Diskussionsbeitr\u00e4ge der Fachtagung des Vereins zum gleichen Thema enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen dazu finden Sie <a href=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/tagungsband-erschienen\/\" data-type=\"post\" data-id=\"405\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> im Archiv.<\/p>\n\n\n\n<p>(Autor: Dr. N. M\u00f6nter)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eingeladen vom Verein f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit e. 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