{"id":392,"date":"2010-11-02T15:23:00","date_gmt":"2010-11-02T14:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/?p=392"},"modified":"2021-01-25T17:50:52","modified_gmt":"2021-01-25T16:50:52","slug":"fachtagung-umgang-mit-religion-und-spirituellen-beduerfnissen-in-psychiatrie-und-psychotherapie-am-25-9-2010-im-bonhoeffer-haus-berlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/fachtagung-umgang-mit-religion-und-spirituellen-beduerfnissen-in-psychiatrie-und-psychotherapie-am-25-9-2010-im-bonhoeffer-haus-berlin\/","title":{"rendered":"Fachtagung \u201eUmgang mit Religion und spirituellen Bed\u00fcrfnissen in Psychiatrie und Psychotherapie\u201c am 25.9.2010 im Bonhoeffer-Haus, Berlin"},"content":{"rendered":"\n<p>Welche Bedeutung haben Religion und Spiritualit\u00e4t in der Psychiatrie?<br>Zu dieser Fragestellung veranstaltete der Verein f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit am 25.9.2010 eine Fachtagung im Bonhoeffer-Haus in Berlin-Mitte.<br>In der Vergangenheit waren bereits Tagungen zu diesem Thema im Harnack-Haus ( <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/religion-und-psychose-sinnsuche-und-sinnstiftung-im-psychiatrischen-alltag\/\" data-type=\"post\" data-id=\"395\" target=\"_blank\">2006<\/a>; <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/tagungsband-erschienen\/\" data-type=\"post\" data-id=\"405\" target=\"_blank\">Tagungsband<\/a>), in der Urania (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.urania.de\/programm\/2008\/Q760\/\" target=\"_blank\">2008<\/a>) sowie die Bildung eines Runden Tisches &#8222;Religion und Psychiatrie&#8220; (<a href=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/runder-tisch-religion-und-psychiatrie-in-berlin\/\" data-type=\"post\" data-id=\"410\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">2008<\/a>) durch den Verein initiiert worden.<\/p>\n\n\n\n<p>In mehreren Eingangsstatements wurde dabei zun\u00e4chst aus verschiedener Perspektive auf die Frage eingegangen, warum bei bestimmten Patienten ein besonderes Wissen \u00fcber Religionen und Weltanschauungen von Bedeutung ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frau Hadice Ayhan<\/strong>, die ihre psychiatrische Weiterbildung in der Allgemeinpsychiatrie einer gro\u00dfen st\u00e4dtischen Berliner Klink absolviert hat, wies auf den ausgepr\u00e4gten Handlungscharakter des Islam hin. Dabei gebe es keine Aufteilung in sakrale und profane Lebensr\u00e4ume, der Islam bestimme das gesamte Leben eines Moslems. Krankheit und Leiden werden im Islam als Pr\u00fcfung Gottes verstanden. Deshalb werde von islamischen Patienten zuweilen vor dem Arzt zun\u00e4chst ein Hodscha zur Behandlung einer Erkrankung aufgesucht. Manchmal erfolge eine religi\u00f6s spirituelle Behandlung auch neben der \u00e4rztlichen Therapie und k\u00f6nne sich im Einzelfall durchaus erg\u00e4nzen. H\u00e4ufige praktische Fragen seien der Umgang mit den Gebets- und Fastenregeln im Falle einer Krankheit. Hierbei seien Kranke ausdr\u00fccklich von den Fastenregeln ausgenommen, so dass es z.B. auch Medikamente w\u00e4hrend des Tages eingenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend sprach <strong>Frau Alma Fathi,<\/strong> eine Religionswissenschaftlerin, die in einer Eltern-Betroffenen-Initiative (EBI= Eltern-Betroffenen Initiative gegen psychische Abh\u00e4ngigkeit und f\u00fcr geistige Freiheit) Sektenaussteiger oder Angeh\u00f6rige von Mitgliedern konflikttr\u00e4chtiger religi\u00f6ser Gruppierungen betreut. Frau Fathi betonte, dass es wichtig sei, die Bedeutung der Religion f\u00fcr die betreffende Person in Erfahrung zu bringen. Eine Sektenmitgliedschaft f\u00fchre nicht bei jedem Menschen zu psychischen St\u00f6rungen. Oft entscheide eine zus\u00e4tzliche psychische Disposition dar\u00fcber, ob sich eine solche Zugh\u00f6rigkeit sch\u00e4dlich auswirke oder zur Stabilisierung einer zuvor bestehenden psychischen Labilit\u00e4t f\u00fchre. Sie berichtete von einer jungen psychosekranken Frau, deren Stimmenh\u00f6ren innerhalb ihrer esoterischen Guru-Sekte als Gespr\u00e4ch mit dem Meister gedeutet und verst\u00e4rkt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgte <strong>Frau Dr. Rommelspacher,<\/strong> eine Berliner Psychiaterin und Psycho-analytikerin, die \u00fcber ihre Erfahrungen als Mitglied der Arbeitsgruppe Buddhismus und Psychotherapie der buddhistischen Akademie Berlin berichtete. Nach ihrer Einsch\u00e4tzung haben Patienten neben ihrem Wunsch nach therapeutischer Begleitung oft das Bed\u00fcrfnis nach \u201eReligio\u201c im Sinne von C.G. Jung mit dem Wunsch nach einer R\u00fcckbindung an etwas Gr\u00f6\u00dferes.<br>Diese Patienten w\u00fcnschen sich in ihrem spirituellen Weg ernst genommen zu werden. Auf den Therapeuten kann dabei der Wunsch nach einem F\u00fchrer auf dem buddhistischen Weg \u00fcbertragen werden, was zu Schwierigkeiten in der therapeutischen Beziehung f\u00fchren kann. Zur buddhistischen Praxis z\u00e4hlen verschiedene Meditationsformen. Inzwischen ist die im Buddhismus bedeutsame Vorstellung der Achtsamkeit in zahlreiche Therapieformen \u00fcbernommen worden. Allerdings kann eine intensive Meditationserfahrung z.B. in ein- bis mehrt\u00e4gigen sogenannten &#8222;retreats&#8220; bei entsprechend disponierten Menschen durch Aktivierung von unbewussten Vorstellungen zu einer Verst\u00e4rkung von \u00c4ngsten und anderen psychischen Symptomen f\u00fchren. Meditation ist eine oft hilfreiche Methode. Sie ersetze aber nicht eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung bei gravierenden psychischen Problemen, was oft in einer \u00dcbererwartung an die Methode erhofft wird. Es gebe auch Patienten, die depressiv reagieren, weil sie den oft falsch verstandenen Zielsetzungen des Buddhismus nicht zu entsprechen meinen. Auch hier sind neben therapeutischer Erfahrung Kenntnisse des buddhistischen Denkens erforderlich, um solche \u00fcbertriebenen und irrigen Vorstellungen erkennen und korrigieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als letzter Redner der einleitenden Statements kam mit <strong>Herrn Dr. Beelitz<\/strong> ein Theologe und Pastoralpsychologe mit Betrachtungen aus der Sicht eines Krankenhausseelsorgers zu Wort. Nach seinen Erfahrungen gehe die Inanspruchnahme des Seelsorgers fast immer vom Patienten aus. H\u00e4ufige Themen seien religi\u00f6s wahnhaftes Erleben und depressive Zust\u00e4nde. Religiosit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t beschreiben sich gegenseitig weit \u00fcberlappende Ph\u00e4nomenbereiche, die unscharf abzutrennen sind. Dem tr\u00e4gt der pastoralpsychologische Ansatz der Ambiguit\u00e4tstoleranz im Hinblick auf die Lebensbegr\u00fcndung und Weltanschauungsfundierung Rechnung mit der Vorstellung, dass alles auch ganz anders sein kann.<br>Krankenhausseelsorge ist nicht mehr die Betreuung von gl\u00e4ubigen Menschen an einem anderen Ort, sondern sie versteht sich als Teil einer gemeinsamen Bem\u00fchung, die subjektive Zufriedenheit und Lebensqualit\u00e4t von Patienten zu verbessern. Dem entsprechen angestrebte und die in einigen Einrichtungen teils verwirklichte Zusammenarbeit von Psychiatern und Krankenhausseelsorgern, u.a. mit gemeinsamen Fallbesprechungen. Herr Dr. Beelitz forderte zu einem besseren Wahrnehmen und Respektieren von religi\u00f6ser Selbsthilfe auf. Au\u00dferdem bef\u00fcrwortete er eine Verbesserung der Kommunikation und Kooperation der beteiligten Berufsgruppen unter Einbeziehung des Krankenhausseelsorgers im Sinne einer Koexistenz unterschiedlicher Heilungssemantiken.<br>Dabei kann der Krakenhausseelsorger einerseits Verstehensangebote f\u00fcr religi\u00f6se Themen des Patienten bieten und andererseits Verstehensangebote mit Hilfe und an Hand von religi\u00f6sem Material einbringen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"130\" src=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-content\/uploads\/20101109_232509_rommelspacher_spaemann1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-393\"\/><figcaption>Dr. Irmel Rommelspacher, Dr. Christian Spaemann<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im ersten Hauptreferat trug <strong>Herr Dr. Spaemann,<\/strong> Chefarzt der Klinik f\u00fcr seelische Gesundheit in Braunau am Inn, Gedanken zum professionellen Umgang mit dem religi\u00f6sen Patienten vor. In seinem inhaltsreichen und lebendigen Vortrag ging Dr. Spaemann zun\u00e4chst auf die Frage nach den Gr\u00fcnden ein, die zu einem wachsenden Interesse an den Themen Religion und Spiritualit\u00e4t gef\u00fchrt haben. Dabei nannte er als Ursache einerseits eine gewisse Entt\u00e4uschung an der oft mit \u00dcbererwartungen verbundenen Psychotherapie. Daneben stellte er das Fehlen des f\u00fcr die seelische Gesundheit wichtigen Aspektes der Selbsttranszendenz und das Fehlen existenzieller Begriffe wie Liebe Tod, Verzeihen und Schuld in den Sachverzeich-nissen psychotherapeutischer Lehrb\u00fccher fest. Nach seiner \u00dcberzeugung ist das Bewusstsein daf\u00fcr gestiegen, dass die gro\u00dfen spirituellen Traditionen der Menschheit Wichtiges \u00fcber die Seele zu sagen haben und es hilfreich sein kann, an diese Vorstellungen anzukn\u00fcpfen.<br>In anthropologischer Sicht k\u00f6nne man sich der religi\u00f6s-spirituellen Dimension des Menschen in verschiedener Weise n\u00e4hern: in existentialistischer Weise als Geworfensein (Heidegger), das Leben als Aufgabe oder spirituell als Geheimnis oder eben im religi\u00f6sen Sinn als Innewerden des Absoluten und dem konkreten Handeln in diesem Bewusstsein.<br>Zu unterscheiden seien dabei verschiedene Aspekte der Religion, wie die institutionelle Religion, die pers\u00f6nliche Religiosit\u00e4t und die Art des G\u00f6tterbildes (z.B. g\u00fctig oder strafend).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Handeln der im Gesundheitswesen T\u00e4tigen sei Religion zun\u00e4chst unter der Ressourcensicht zu begr\u00fc\u00dfen als M\u00f6glichkeit, Leid eines Menschen zu lindern, wobei je nach Profession unterschiedliche M\u00f6glichkeiten bestehen. Als Beispiele nannte er: die F\u00f6rderung der Leidensf\u00e4higkeit, die St\u00fctzung durch Gebote und Rituale und das Einf\u00fcgen des eigenen Leides in einen gr\u00f6\u00dferen Sinnzusammenhalt. Weitere Aspekte sind die Beziehung des Menschen zu sich selbst und zu anderen, Hoffnung, Glaube, Sinn und Bedeutung.<br>Der Psychotherapeut m\u00fcsse sich bez\u00fcglich religi\u00f6ser Themen seiner Rolle bewusst sein. Seine Aufgabe sei es, die spirituelle Dimension des Patienten wahrzunehmen und zu achten. Er habe sich auf aktuelle und lebensgeschichtliche Konflikte des Patienten zu konzentrieren und sich nicht dazu veranlasst zu f\u00fchlen, mit dem Patienten religi\u00f6se Fragen kl\u00e4ren zu wollen. Bei ausgepr\u00e4gten religi\u00f6sen oder weltanschaulichen Vorstellungen k\u00f6nne es wichtig sein, sich \u00fcber die Inhalte dieser Anschauungen und deren Bedeutung f\u00fcr den Patienten zu informieren.<br>Das bedeute, dass der Therapeut in der Regel entsprechend seiner methodischen Kenntnisse und \u00dcberlegungen unter Einbeziehung der religi\u00f6sen Dimension seines Patienten verfahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Als spezielle auf spirituelle Erfahrungen gr\u00fcndende Therapien k\u00f6nnen Formen der Achtsamkeitstherapie z.B. nach Linehan und die Logotherapie nach Frankl mit Aspekten der Wert- und Sinnfindung angesehen werden.<br>Kritisch zu sehen seien dagegen Formen wie die Hagiotherapie oder inner healing, die mit direkter spiritueller Praxis arbeiten.<br>In der Psychiatrie ist die spezielle m\u00f6gliche Religionspathologie, z.B. in der Form von Vers\u00fcndigungswahn oder religi\u00f6sem Wahn zu ber\u00fccksichtigen. Dementsprechend sei hier das Vorgehen des Therapeuten eher pragmatisch, vielleicht manchmal auf Grund besonderer Umst\u00e4nde auch direktiv, aber immer unter der Beachtung der generellen Respektierung des religi\u00f6sen und spirituellen Erlebens des Patienten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Hauptvortrag von <strong>Dr. Michael Utsch<\/strong> besch\u00e4ftige sich mit der speziellen Frage der Einbeziehung oder des Ausschlusses spirituell- religi\u00f6ser Interventionen in die Behandlung psychisch kranker Patienten.<br>Herr Dr. Utsch f\u00fchrte verschiedene medizinische Bereiche an, in denen Religion und Spiritualit\u00e4t in der Medizin als Bew\u00e4ltigungshilfen angesehen werden: z.B. in der Geriatrie, der Palliativmedizin und der Onkologie.<br>Auch die Psychotherapie habe sich in verschiedener Weise dieser Thematik angenommen, z.B. im Rahmen der Resilenzforschung, im Begriff der positiven Psychologie und in der \u00dcbernahme von Meditationsformen und Einbezug des Achtsamkeits- Konzeptes, sowie in der Nutzung von Entspannungstechniken bis zur transpersonalen Verhaltenstherapie.<br>In Deutschland gebe es eine wachsende Zahl an Angeboten spiritueller Psychotherapie. (z.B. transpersonale Therapie in den Oderberg-Kliniken, christlich akzentuierte Behandlungen in der de Ignis Klinik). Dabei k\u00f6nnen religi\u00f6se oder spirituelle Gemeinsamkeiten von Patient und Therapeut einen zus\u00e4tzlichen geistigen Verst\u00e4ndigungsraum erm\u00f6glichen.<br>Die Bedeutung spiritueller Praxis werde durch eine Reihe von Studien belegt. Nachgewiesen wurden Heileffekte durch einen pers\u00f6nlich adaptiertem Glauben, durch ein sinnvolles geschlossenes Weltbild, die Eingebundenheit in eine Gemeinschaft, der Gewinn an Trost, Hoffnung und Gelassenheit und eine Verbesserung im Umgang mit dem Gef\u00fchl von Hilflosigkeit.<br>Die Kerntugenden aller Religionen beinhalten ein hohes therapeutisches Potential: Weisheit, Mut, Liebe, Gerechtigkeit, M\u00e4\u00dfigung, Transzendenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Das international eingesetzte Diagnosesystem DSM (diagnostisches und statistisches Manual) habe inzwischen an Kultursensibilit\u00e4t gewonnen und stufe Religion und Spiritualit\u00e4t nicht mehr per se als pathologisch ein.<br>Die Bedeutung von Religion und Spiritualit\u00e4t als Bew\u00e4ltigungsressource und Gesundheitsprophylaxe und die Notwendigkeit des Einbezugs von Spiritualit\u00e4t bei der Bew\u00e4ltigung existentieller Krisen und von traumatischem Stress sei allgemein anerkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnschenswert sei eine offenere Gespr\u00e4chskultur unter Psychotherapeuten zu den Fragen: was liefert Hoffnung, Vertrauen, Sinn.<br>Die eigene Spiritualit\u00e4t der Psychotherapeuten, ihre eigene Werte und Ziele m\u00fcssten verst\u00e4rkt reflektiert werden und wie sich ihre eigenen Einstellungen auf die Behandlungspraxis auswirke.<br>Zum professionellen Umgang von Psychotherapeuten geh\u00f6ren das Erkennen von spirituell- religi\u00f6sen Gespr\u00e4chsthemen und die Wahrnehmung der Bedeutung dieser Themen und nat\u00fcrlich die Wahrung der therapeutischen Distanz.<br>Als Voraussetzung f\u00fcr die M\u00f6glichkeit des Einbezuges solcher Themen in die Therapie forderte Dr. Utsch dazu auf, bei der Anamneseerhebung folgende Aspekte zu erfassen und zu ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n\n\n\n<p>S = Spirituelle und Glaubens-\u00dcberzeugungen<br>P = Platz und Einfluss, den diese \u00dcberzeugungen im Leben des Patienten einnehmen<br>I = Integration in eine spirituelle, religi\u00f6se oder kirchliche Gruppe?<br>R = Rolle des Arztes\/Therapeuten: Wie soll mit den spirituellen Erwartungen und Problemen des Patienten umgegangen werden?<\/p>\n\n\n\n<p>In der nachfolgenden <strong>Diskussion<\/strong> ging es um die Bedeutung der spirituell-religi\u00f6sen Anamnese: warum sie so selten erhoben wird und wie man diese Situation verbessern k\u00f6nne. Es wurde vorgeschlagen, Fragen zur religi\u00f6sen Einstellung mit auf einen vom Patienten auszuf\u00fcllenden Anamnesebogen aufzunehmen. Klinisch t\u00e4tige Kollegen vertraten die Meinung, dass in vielen psychiatrischen Krankheitssituationen die Auspr\u00e4gung der Symptomatik f\u00fcr solche Themen zun\u00e4chst keinen Raum lasse. Oft stehen zu sehr aktuelle Symptome, Konflikte oder psychosoziale Belastungen im Vordergrund. Es wurde die Meinung vertreten, die Erhebung einer psychiatrisch-spirituellen Anamnese r\u00fchre an sehr pers\u00f6nliche Haltungen und Einstellungen und setze eine schon entstandene Beziehung zwischen Arzt und Patient voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Er\u00f6rtert wurde auch, in welcher Weise der Therapeut das Wissen \u00fcber die religi\u00f6se Einstellung des Patienten nutzen k\u00f6nne. Dabei bestand \u00dcbereinstimmung, dass die Bedeutung der Religion f\u00fcr den Einzelnen sehr unterschiedlich sein k\u00f6nne: als M\u00f6glichkeiten wurden genannt: St\u00fctze, Identifikationsm\u00f6glichkeit, Abwehr oder auch Ausdruck von Gruppendruck. Es wurde auf das Ph\u00e4nomen hingewiesen, dass Patienten, die an einem religi\u00f6sen Wahn leiden, sich nach Abklingen des Wahns als ganz areligi\u00f6s pr\u00e4sentieren.<br>Im weiteren Verlauf der Diskussion ging es um positive Erfahrungen mit religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen und religi\u00f6ser Praxis als positive Verst\u00e4rkung oder als Ressource.<br>Dabei wurde auf die Bedeutung unterschiedlicher Rollen im Verh\u00e4ltnis zum Patienten hingewiesen. So kann sich z.B. eine Krankenschwester gegen\u00fcber den religi\u00f6sen Vorstellungen einer Patientin anders verhalten (z.B. tr\u00f6sten, zusammen beten) als es mit der Rolle des Arztes vereinbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam formuliert wurde der Wunsch nach weiterem interdisziplin\u00e4rem Austausch. Zum Abschluss wies Herr Dr. M\u00f6nter auf die einmal j\u00e4hrlich stattfindenden psychiatrisch-religionswissenschaftlichen Colloquien hin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das n\u00e4chste Colloquium, das sich dieses Mal vorrangig mit dem Islam besch\u00e4ftigt, findet am 10.11.2010 im Institut f\u00fcr Religionswissenschaft der Freien Universit\u00e4t statt.<\/strong><br>Das Programm des Colloquiums finden Sie <a href=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-content\/uploads\/2010_Einladung_Kolloq_Reli_1011.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> (pdf).<\/p>\n\n\n\n<p>(Autor: Dr. Norbert H\u00fcmbs)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Bedeutung haben Religion und Spiritualit\u00e4t in der Psychiatrie?Zu dieser Fragestellung veranstaltete der Verein f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit am 25.9.2010 eine Fachtagung im Bonhoeffer-Haus in Berlin-Mitte.In der Vergangenheit waren bereits Tagungen zu diesem Thema im Harnack-Haus ( 2006; Tagungsband), in der Urania (2008) sowie die Bildung eines Runden Tisches &#8222;Religion und Psychiatrie&#8220; (2008) durch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-392","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tagungsbericht"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/392","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=392"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/392\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":416,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/392\/revisions\/416"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=392"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=392"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}