{"id":371,"date":"2011-08-14T08:51:00","date_gmt":"2011-08-14T06:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/?p=371"},"modified":"2021-01-26T11:17:01","modified_gmt":"2021-01-26T10:17:01","slug":"fachtagung-integrierte-versorgung-machts-moeglich-die-ambulantisierung-der-versorgung-geht-voran","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/fachtagung-integrierte-versorgung-machts-moeglich-die-ambulantisierung-der-versorgung-geht-voran\/","title":{"rendered":"Fachtagung \u201eIntegrierte Versorgung macht&#8217;s m\u00f6glich \u2013 die Ambulantisierung der Versorgung geht voran!"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor vollem Haus und mit \u00fcber 120 Teilnehmern aus den Bereichen der ambulanten und station\u00e4ren psychiatrischen Versorgung, mit Vertretern von Krankenkassen und unter Beteiligung von Betroffenen und Angeh\u00f6rigen psychisch Kranker fand im Seminaris Conference-Center in Berlin Dahlem am 17.\/18. Juni 2011 die Fachtagung des Vereins f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit (vpsg) in Kooperation mit der Klinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie der Charite Campus Mitte statt. Auf dem Boden einer traditionell sehr guten Zusammenarbeit des vpsg mit dem Berufsverband nahmen auch sehr viele BVDN- und BVDP Mitglieder aktiv an der Tagungsgestaltung teil.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"130\" src=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-content\/uploads\/20110814_204107_Auditorium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-372\"\/><figcaption>Blick ins Auditorium<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Das vollst\u00e4ndige <strong>Tagungsprogramm<\/strong> finden Sie \u00bb <a href=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-content\/uploads\/2011_IV_Tagung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> (pdf).<\/p>\n\n\n\n<p>In seinen Begr\u00fc\u00dfungsworten erinnerte der 1. Vorsitzende des Vereins f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit Herr<strong> Dr. N. M\u00f6nter<\/strong> an die erste vom vpsg organisierte Tagung zu diesem Thema und berichtete \u00fcber die dynamische Entwicklung des Projektes: den Aufbau eines Versorgungsnetzes aus \u00c4rzten, Soziotherapeuten und Pflegediensten, die Gr\u00fcndung einer Managementgesellschaft, die Ausweitung nach Brandenburg und &#8211; ganz neu &#8211; die Entwicklung einer IT-Plattform. Anschlie\u00dfend skizzierte er die zuk\u00fcnftigen Perspektiven u.a. die vor dem Abschlu\u00df stehenden Vertragsverhandlungen mit der AOK sowie eine mit mehreren KK diskutierte \u201eIV zur Fr\u00fchintervention bei psychisch bedingter AU\u201c .<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Einf\u00fchrungsvortrag besch\u00e4ftigte sich <strong>Prof. A. Heinz<\/strong>, langj\u00e4hriges Mitglied des vpsg und nachhaltiger Bef\u00fcrworter einer Ambulantisierung der psychiatrischen Versorgung, mit gesundheits\u00f6konomischen und ethischen Implikationen der Integrierten Versorgungsvertr\u00e4ge. Er \u00e4u\u00dferte auch die Sorge, dass durch Selektivvertr\u00e4ge eingesparte Gelder der Krankenversorgung speziell der Gruppe der psychisch Kranken entzogen werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"130\" src=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-content\/uploads\/20110814_204107_Falkai1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-375\"\/><figcaption>DGPPN Pr\u00e4sident Prof. P. Falkai<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Herr <strong>Prof. Peter Falkai<\/strong>, amtierender DGPPN-Pr\u00e4sident, wandte sich in seinem Vortrag der wichtigen Frage <strong>\u201eWer soll koordinieren, f\u00fchren, verantworten?\u201c<\/strong> zu.<br>In einer Analyse der Versorgungssituation stellte er den typischen Verlauf psychischer Erkrankungen mit dem je nach Krankheitsstadium unterschiedlichen Behandlungsbedarf vor. Zum Ist-Zustand der psychiatrischen Versorgung wies er auf folgende Probleme hin: die steigende Pr\u00e4valenz psychischer Erkrankungen, die Probleme der Vernetzung und die Schnittstellen zwischen Haus\u00e4rzten und Fach\u00e4rzten sowie zwischen ambulanter und station\u00e4rer Behandlung, die fehlende h\u00e4usliche psychiatrische Krankenpflege, den Mangel an Psychotherapie und die Schwierigkeiten, die durch die Verschiedenheit der Kostentr\u00e4ger entstehen.<br>Modelle der Integrierten Versorgung mit einer kontinuierlichen, das Schnittstellenmanagement verbesserten und einer standardisierten, leitlinienorientierten Diagnostik und Therapie k\u00f6nnen seiner Meinung nach dazu beitragen, die Dreht\u00fcrpsychiatrie zu \u00fcberwinden. Dabei seien die sich unterscheidenden Zielparameter der integrierten Versorgung sowohl aus Sicht der Nutzer, der Leistungserbringer und der Kostentr\u00e4ger zu definieren. Er stellte verschiedene existierende IV-Vertr\u00e4ge vor, insbesondere das Rahmenkonzept der DGPPN zur Integrierten Versorgung Depression und ging auf auch auf den AOK-Vertrag zur Schizophrenie-Versorgung in Niedersachsen kritisch ein. Hierbei problematisierte er den fehlenden Einbezug der Kliniken, den nicht gesicherten Erhalt der freien Arztwahl und die Frage der Abgabe des Morbidit\u00e4tsrisikos durch die Krankenkassen. Insgesamt sieht Professor Falkai die Integrierte Versorgung als lernendes System auf dem Weg zu einer fl\u00e4chendeckenden Umsetzung. Entscheidend f\u00fcr die Frage der Steuerungs\u00fcbernahme in der IV sei nicht eine spezielle Institutionspr\u00e4valenz, sondern an erster Stelle das fachlich ausgewiesene Engagement der regionalen Initiatoren. F\u00fcr die aktuelle Tagung wie auch die \u00fcber Jahre hinweg kontinuierliche integrierende Arbeit des vpsg zollte der DGPPN-Pr\u00e4sident ausdr\u00fccklich Anerkennung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Kaffeepause wurde die Tagung in zwei Parallelveranstaltungen fortgesetzt.<br>Dabei lag der Schwerpunkt der von Frau <strong>Dr. B. Bollmann<\/strong> moderierten Veranstaltung auf Fragen der Einbeziehung von Betroffenen und Angeh\u00f6rigen in die Behandlung. <strong>PD Dr. J. B\u00e4uml<\/strong> stellte Untersuchungen vor, die die Bedeutung von Psychoedukation und Empowerment f\u00fcr Patienten und Angeh\u00f6rige belegen.<br>Frau <strong>G. Schliebener<\/strong> und Herr <strong>U. Wegener-Drasdo<\/strong> sprachen aus Betroffenen- und Angeh\u00f6rigensicht \u00fcber die Bedeutung partizipativer Entscheidungsfindung.<br>In der parallel von Frau <strong>Dr. K.-M. Hoffmann<\/strong> geleiteten Sitzung standen dagegen Fragen des Versorgungsmanagements im Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"170\" height=\"130\" src=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-content\/uploads\/20110814_204107_Berghoefer1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-374\"\/><figcaption>Frau Dr. A. Bergh\u00f6fer<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Frau <strong>Dr. A. Bergh\u00f6fer <\/strong>vom Institut f\u00fcr Sozialmedizin der Charite stellte die Ergebnisse der Evaluierung der Integrierten Versorgung in Niedersachsen und Berlin vor. Dabei konnte sie einen Trend zur Kosteneinsparung bei Patienten mit Schizophrenie feststellen, der im wesentlich durch Krankenhaus-vermeidung\/-ersetzung zu erreichen war. Die Kostenersparnis wird allerdings teilweise durch die Zunahme der ambulanten Kosten (z.B. vermehrter Einsatz h\u00e4uslicher psychiatrischer Pflege) aufgewogen. Hier war die IV in Berlin kosteng\u00fcnstiger als in Niedersachsen durch synergistische Effekte von amb. psychiatrischer Pflege plus Soziotherapie, w\u00e4hrend in Niedersachsen wegen der geringen Verf\u00fcgbarkeit von Soziotherapie vermehrt psychiatrische Pflege zum Einsatz gekommen ist. Die IV bei der Diagnose Depression erwies sich dagegen weniger kosteneffektiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau <strong>S. Negenborn<\/strong> als Vertragsmanagerin der DAK und Herr <strong>C. Traupe<\/strong>, Leiter des Unternehmensbereiches Versorgung, Strategie und Programme der AOK Nordost betonten das Interesse ihrer Krankenkassen an der Weiterentwicklung der Integrierten Versorgung mit dem vpsg resp. seiner Managementgesellschaft PIBB \u201ePsychiatrie Initiative Berlin Brandenburg&#8220;. Dabei wird von Seiten der DAK eine st\u00e4rkere Einbeziehung des Versorgungsmanagements der Kasse bei der Einsteuerung der Patienten in die Behandlung angestrebt. F\u00fcr die AOK wurden Erwartungen an eine schlanke Dokumentation und Kommunikation ge\u00e4u\u00dfert, die zu einer Weiterentwicklung und Verbesserung zuk\u00fcnftiger Versorgungsmodelle f\u00fchren k\u00f6nnten.<br>Schlie\u00dflich stellte <strong>Dr. A. Alscher<\/strong> eine im Auftrag der PIBB erstellte IT-Plattform zur just-in-time Koordination und Kommunikation im Leistungserbringer-Netzwerk vor, die seit dem 1.7.2011 im Rahmen der IV durch die PIBB eingesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer sehr lebhaften, in Teilen kontroversen, aber durchweg konstruktiven Podiums- und Abschlu\u00dfdiskussion, die von Prof. Heinz unter der \u00dcberschrift \u201eWer steuert die IV und wohin?\u201c moderiert wurde, klang der erste Tag &#8211; bei noch ausreichend sommerlichen Temperaturen &#8211; mit einem Dinner-Buffet im Innenhof des Seminaris Hotels gem\u00fctlich aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Tagungstag begann &#8211; in einem mit rund 90 Teilnehmern wieder gut gef\u00fcllten Saal &#8211; mit einer von Frau <strong>A. Navarro-Urena<\/strong> und Herrn <strong>Prof. J. Galinat<\/strong> moderierten klinisch-orientierten Veranstaltung.<br>Frau <strong>Dr. M. Lautenschlager<\/strong> sprach dabei \u00fcber das Thema. \u201eGemeinsame Entscheidungsfindung \u2013 Anspruch und Realisierungsm\u00f6glichkeiten\u201c.<br>Beim Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung geht es demnach nicht allein um die Frage, ob und welche Medikamente genommen werden. Vielmehr ist das Ziel, dass sich der Patient seine grunds\u00e4tzliche Wahlfreiheit auch in Alltagssituationen bewusst macht, mit dem Ergebnis eines Zugewinns an Freiheit \u2013 und auch Selbstverantwortlichkeit.<br>Im Hinblick auf die medizinische Behandlung sollen nicht nur therapeutische und pharmakologische Grundlagen vermittelt werden, sondern eine F\u00e4higkeit zur Problemanalyse und -l\u00f6sung, womit eine St\u00e4rkung des Selbstvertrauens verbunden ist. Wie viel medizinische und pharmakologische Information der Arzt dem Patienten geben soll, h\u00e4ngt u.a. vom Grad der Vorinformiertheit des Patienten und von seiner aktuellen Aufnahmef\u00e4higkeit ab.<br>Insofern sind die Informationsvermittlung und die gemeinsame Entscheidungs-findung als ein fortlaufender Prozess innerhalb einer therapeutischen Beziehung zu verstehen.<br>Beim anschlie\u00dfenden Vortrag \u00fcber die S3-Leitlinie bipolarer St\u00f6rungen und einen typischen Behandlungspfad in der IV wurde Frau Prof. A. Pfennig, die kurzfristig absagen musste, dankenswerterweise von Herrn <strong>Prof. Hellweg <\/strong>aus der Psychiatrischen Klinik der Charite vertreten. In seinem Vortrag gab er einen fundierten \u00dcberblick \u00fcber den aktuellen Stand der Diagnostik und Therapie affektiver Erkrankungen und ging sowohl auf die Entwicklung der aktuellen S3 LL und vorbekannte internationaler Leitlinien ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Kaffeepause fanden sechs Workshops zu verschiedenen Themen statt wie: Flexibililierung und Ambulantisierung der Klinik, Nutzen und Risiken der digitalen Vernetzung in der IV, verschiedene Einsatzfelder der Psychoedukation, gemeinsame Entscheidungsfindung,. Auswirkungen von Investoreninteresse auf die \u00e4rztliche Entscheidungsfreiheit.<br>Abschlie\u00dfend wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen im Plenum vorgetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Schlusswort bedankte sich Herr <strong>Dr. N. M\u00f6nter<\/strong> bei den Vortragenden und Teilnehmern f\u00fcr ihr Interesse und Engagement. Dadurch sei ein Austausch \u00fcber Versorgungsfragen aus unterschiedlichen Perspektiven auf hohem Niveau zu Stande gekommen. Die Teilnahme von aktiven \u201eNetzwerkern\u201c aus so zahlreichen anderen Bundesl\u00e4ndern an der Tagung belege auch das gro\u00dfe bundesweite Interesse an integrierten Versorgungsmodellen in der Psychiatrie. Die Entwicklung gehe rasch weiter und schon innerhalb eines Jahres werde sich die Diskussioin nach aller Erfahrung schon wieder auf neuem Entwicklungsniveau darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>(Autor: Dr. N. H\u00fcmbs)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor vollem Haus und mit \u00fcber 120 Teilnehmern aus den Bereichen der ambulanten und station\u00e4ren psychiatrischen Versorgung, mit Vertretern von Krankenkassen und unter Beteiligung von Betroffenen und Angeh\u00f6rigen psychisch Kranker fand im Seminaris Conference-Center in Berlin Dahlem am 17.\/18. 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