{"id":348,"date":"2005-07-10T15:46:00","date_gmt":"2005-07-10T13:46:00","guid":{"rendered":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/?p=348"},"modified":"2021-09-07T21:36:17","modified_gmt":"2021-09-07T19:36:17","slug":"aufbau-eines-berliner-netzwerkes-fuer-die-qualifizierte-psychotherapie-bei-psychotischen-und-uni-oder-bipolaren-erkrankungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/aufbau-eines-berliner-netzwerkes-fuer-die-qualifizierte-psychotherapie-bei-psychotischen-und-uni-oder-bipolaren-erkrankungen\/","title":{"rendered":"Aufbau eines Berliner Netzwerkes f\u00fcr die qualifizierte Psychotherapie bei psychotischen und uni- oder bipolaren Erkrankungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 7. Juni 2005 wurde auf einem Mitgliedertreffen des Vereins die nachstehende Fassung der \u201eRahmenempfehlungen f\u00fcr die Psychotherapie bei psychotischen und uni- oder bipolaren Erkrankungen\u201c einstimmig angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorausgegangen war ein ausf\u00fchrlicher und intensiver Diskussionsproze\u00df (u.a. auf der 2. Fachtagung des Vereins im April 2005) mit dem Ziel, ein Berliner Netzwerk von Psychose-Psychotherapeuten aufzubauen.<br>Hervorzuheben ist, da\u00df diese Rahmenempfehlungen in ihren zentralen Aussagen nicht nur f\u00fcr die sog. Richtlinien-Psychotherapie Relevanz besitzen, sondern auch im Kontext der psychotherapeutisch gepr\u00e4gten psychiatrischen Grundversorgung ihre Anwendung finden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erarbeitet wurden diese Rahmenempfehlungen von Vorstand und Mitgliedern des Vereins f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit in Berlin unter Federf\u00fchrung von <strong>Frau Dipl.-Psych. Birgit Leifeld<\/strong>, Psychologische Psychotherapeutin und <strong>Herrn Dr. Norbert M\u00f6nter<\/strong>, Arzt f\u00fcr Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rahmenempfehlungen f\u00fcr die Psychotherapie (und die psychiatrische Grundversorgung) bei psychotischen und uni- oder bipolaren Erkrankungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>I. Ziele<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Optimierung der ambulanten Behandlung von Menschen mit psychotischen Erkrankungen<\/li><li>Aufbau eines Netzes von Psychotherapeuten, die in besonderem Ma\u00dfe qualifiziert sind, die Behandlung von Menschen mit psychotischen Erkrankungen durchzuf\u00fchren<\/li><li>Weitergabe der Netz-Adressen an Patienten und Angeh\u00f6rige, ambulante und station\u00e4re Behandlungseinrichtungen, Institutionen und Fachverb\u00e4nde<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>II. Eingangsvoraussetzungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Psychotherapeutische Ausbildung<ul><li>Approbation als Arzt oder Psychologischer Psychotherapeut und<\/li><li>Abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Therapieverfahren oder<\/li><li>Zusatztitel Psychotherapie<\/li><\/ul><\/li><li>Bereitschaft, gemeinsam formulierte inhaltliche Positionen zur Behandlung von Menschen mit psychotischen Erkrankungen einzuhalten<\/li><li>Mitgliedschaft im Verein<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>III. Positionen zur Behandlung von Menschen mit psychotischen und uni- oder bipolaren Erkrankungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Respektvoller Umgang mit dem Anders-Sein des Patienten<\/strong><br>\u2022 Respektieren subjektiven Erlebens der Symptomatik<br>\u2022 Akzeptanz subjektiver Krankheitsmodelle<br>\u2022 Respektieren des Rechtes auf Selbstbestimmung<br>\u2022 Akzeptanz individueller Bew\u00e4ltigungsstrategien<br>\u2022 bewusster Umgang mit Stigmatisierungsprozessen<\/li><li><strong>Bereitschaft, sich auf das Funktionsniveau und das individuelle Erleben und Verhalten des Patienten einzustellen<\/strong><br>\u2022 Ber\u00fccksichtigung formaler und inhaltlicher Denkst\u00f6rungen<br>\u2022 Ber\u00fccksichtigung von Wahrnehmungsst\u00f6rungen<br>\u2022 Ber\u00fccksichtigung ausgepr\u00e4gter Negativ-Symptomatik<br>\u2022 Ber\u00fccksichtigung starker affektiver Schwankungen<br>\u2022 Ber\u00fccksichtigung eingeschr\u00e4nkter Ich-Funktionen<\/li><li><strong>Akzeptanz des Vulnerabilit\u00e4ts-Stress-Modells<\/strong><br>\u2022 Akzeptanz genetischer, entwicklungsbedingter, biologischer, psychodynamischer und psychosozialer Aspekte als Ursache der psychotischen Erkrankung<br>\u2022 Ber\u00fccksichtigung der Wechselbeziehung zwischen den genannten Faktoren<\/li><li><strong>Entwicklung und Anwendung eines individuell auf den Patienten und seine St\u00f6rung ausgerichteten Diagnose- und Behandlungskonzeptes<\/strong><br>\u2022 St\u00f6rungsspezifische Anamneseerhebung<br>\u2022 St\u00f6rungsspezifische psychiatrisch-neurologische und psychologische Diagnostik<br>\u2022 Erheben der Ressourcen insbesondere im Hinblick auf Stress-Coping<br>\u2022 Erkennen und Ber\u00fccksichtigung von Komorbidit\u00e4t<br>\u2022 Erkennen psychosomatischer Aspekte<br>\u2022 Erkennen von Prodromalphasen<br>\u2022 Erkennen ausl\u00f6sender Konflikt- und Schwellensituationen<\/li><li><strong>Gestaltung der Psychotherapie<\/strong><br>\u2022 Psychotherapie auf der Basis empirisch validierter Wirkfaktoren und Methoden<br>\u2022 Flexible, an den Bed\u00fcrfnissen des Patienten orientierte Frequenz und Dauer der Sitzungen<br>\u2022 Nutzung der Option \u201ePsychoedukation\u201c und der M\u00f6glichkeit zur Einbeziehung von Angeh\u00f6rigen und Betreuern<\/li><li><strong>Transparenz und Kooperation bei der Entwicklung von Krankheitsmodellen und Therapiezielen sowie der Auswahl von Behandlungsmethoden<\/strong><\/li><li><strong>Gestaltung und Begrenzung der Behandlung unter Ber\u00fccksichtigung der Effektivit\u00e4t in Beziehung zu den aufgewendeten Ressourcen<\/strong><\/li><li><strong>Kooperation und Abstimmung psychiatrisch-psychotherapeutischer Diagnostik und Behandlungskonzepte<\/strong><br>\u2022 Enge Absprachen zwischen Psychiater und Psychotherapeut, insbesondere in Krisensituationen und bei akuter Suizidalit\u00e4t<br>\u2022 Einbindung in ein Notfallnetz und Entwicklung von Kriterien f\u00fcr die station\u00e4re und ambulante Behandlung<br>\u2022 Entwicklung von Kriterien f\u00fcr die Indikation und Abgrenzung psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung<\/li><li><strong>Psychotherapie und medikament\u00f6se Behandlung sind kein Gegensatz<\/strong><br>\u2022 Umfassende Aufkl\u00e4rung des Patienten \u00fcber Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente<br>\u2022 F\u00f6rderung der Compliance f\u00fcr die medikament\u00f6se Behandlung unter Ber\u00fccksichtigung des Rechtes des Patienten auf Selbstbestimmung<br>\u2022 Intensive Unterst\u00fctzung des Patienten bei Medikamentenumstellung und in Absetzphasen sowie Begleitung des Patienten auch bei dessen Ablehnung von medikament\u00f6ser Behandlung<\/li><li><strong>Bereitschaft zur Auseinandersetzung zwischen den Therapieschulen<\/strong><br>\u2022 Erkennen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden<br>\u2022 Erkennen von allgemeinen, schulen\u00fcbergreifenden Wirkfaktoren<br>\u2022 Erkennen von schulenspezifischen Behandlungsmethoden mit denen positive therapeutische Wirkungen erzielt werden k\u00f6nnen<br>\u2022 Entwicklung einer schulen\u00fcbergreifenden Sprache<br>\u2022 Entwicklung eines st\u00f6rungsspezifischen Therapieansatzes zur Behandlung von Menschen mit psychotischen St\u00f6rungen<br>\u2022 Bereitschaft sich mit Methoden auseinander zu setzen, die nicht an den sog. Richtlinien-verfahren orientiert sind<\/li><li><strong>Verpflichtung zur regelm\u00e4\u00dfigen Fortbildung<\/strong><br>\u2022 Teilnahme an Fachtagungen und Kongressen<br>\u2022 Durchf\u00fchrung von Supervision und Intervision<br>\u2022 Bildung von Qualit\u00e4tszirkeln<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>(Autor: Dr. N. M\u00f6nter)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. Juni 2005 wurde auf einem Mitgliedertreffen des Vereins die nachstehende Fassung der \u201eRahmenempfehlungen f\u00fcr die Psychotherapie bei psychotischen und uni- oder bipolaren Erkrankungen\u201c einstimmig angenommen. Vorausgegangen war ein ausf\u00fchrlicher und intensiver Diskussionsproze\u00df (u.a. auf der 2. 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