{"id":195,"date":"2019-04-15T11:07:00","date_gmt":"2019-04-15T09:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/?p=195"},"modified":"2021-09-07T21:44:50","modified_gmt":"2021-09-07T19:44:50","slug":"erfolgreiches-psychiatrisches-dialog-projekt-in-6-berliner-moscheegemeinden-bilanz-des-4-jaehrigen-pira-projektes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/erfolgreiches-psychiatrisches-dialog-projekt-in-6-berliner-moscheegemeinden-bilanz-des-4-jaehrigen-pira-projektes\/","title":{"rendered":"Erfolgreiches psychiatrisches Dialog-Projekt in 6 Berliner Moscheegemeinden &#8211; Bilanz des 4-j\u00e4hrigen PIRA-Projektes"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit ihrem Start 2015 konnte das Informations- und Beratungsprojekt des Vereins f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit in insgesamt 6 Moscheegemeinden* \u00fcber 1000 pers\u00f6nliche psychiatrische bzw. psychotherapeutische Beratungen, \u00fcber 15 Informationsveranstaltungen und mehrere z.T. zweit\u00e4gige psychiatrische Workshops mit Imamen der t\u00fcrkischen und arabischen Gemeinden durchf\u00fchren, wie der Leiter des PIRA-Projektes Dr. Norbert M\u00f6nter, Arzt f\u00fcr Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie, Psychoanalyse aktuell mitteilte.<\/p>\n\n\n\n<p>In seiner Zielsetzung zwischen Psychiatern\/Psychotherapeuten und religi\u00f6sen, insbesondere muslimischen Gemeinden Br\u00fccken bauen zu wollen wie auch der praktischen Umsetzung steht das <strong>PIRA-Projekt (Psychiatrie \u2013 Information \u2013 Beratung \u2013 Austausch)<\/strong> vermutlich bundesweit noch singul\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt 11 PsychiaterInnen, Kinder-Jugend-Psychiater und PsychotherapeutInnen deutscher, arabischer und t\u00fcrkischer Provenienz wirkten in dem interkulturellem Dialog- Projekt \u00fcber knapp 4 Jahre zusammen; die Arbeit und die Begegnung im PIRA-Team wurde von den sich regelm\u00e4\u00dfig zu Supervision und organisatorischen Besprechungen treffenden Akteuren, die sich alle einem f\u00fcr Religiosit\u00e4t sensiblem Behandlungsverst\u00e4ndnis verbunden sehen, als wechselseitig bereichernd erlebt. Unterst\u00fctzung fanden sie auch bei mehreren engagierten Klinikleitern der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kooperation mit dialogoffenen Moscheegemeinden und ihren Imamen konnten sie \u00fcber knapp 4 Jahre hinweg Aufkl\u00e4rungs- und Antistigma-Aktivit\u00e4ten \u00fcber psychische Erkrankungen und die Situation davon betroffener Menschen durchf\u00fchren. Dabei stie\u00dfen sie auf einen gro\u00dfen Bedarf an Information und konkreter Beratung; oftmals nahmen mehr als 60 Gemeindemitglieder an den Informationsveranstaltungen teil. Dabei wurde deutlich, dass vielen Mitgliedern der Moscheegemeinden der Weg in das umf\u00e4ngliche psychiatrisch-psychotherapeutische Hilfesystem der Stadt aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden oft schwerf\u00e4llt und bisweilen auch nicht bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch seitens der Imame und Gemeindeverantwortlichen wurde ein gro\u00dfer Unterst\u00fctzungsbedarf hinsichtlich psychischer Probleme, St\u00f6rungen, Erkrankungen unter den Gemeindemitgliedern berichtet. Demzufolge wurden die regelm\u00e4\u00dfigen, festen Beratungssprechstunden in den R\u00e4umen der Moscheen als sp\u00fcrbare Entlastung und weiterf\u00fchrende individuelle Hilfestellung erlebt.<br>Ganz offenkundig erleichterte sowohl der Ort der Beratungssprechstunden wie auch das religionssensible Beratungsangebot selbst den Zugang.<\/p>\n\n\n\n<p>Bemerkenswert waren durchaus auch die unterschiedlichen Mitglieder- und Diskussionsstrukturen in den einzelnen Gemeinden. So trafen die BeraterInnen sowohl auf Gemeinden mit kulturell und in den Kontakten relativ abgeschlossenem Eigenleben und eher vorsichtiger Bezugnahme zu den PIRA-Beratern wie andererseits auf Gemeinden mit hohem, aktiv-offenem Diskussionsbedarf wie z.T. sogar relativ selbstverst\u00e4ndlicher Zweisprachigkeit in der Kommunikation.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem konnten in mehreren Workshops mit den Imamen und Religionsp\u00e4dagogen die Ph\u00e4nomene und Hintergr\u00fcnde seelischer Erkrankungen wie auch die therapeutischen M\u00f6glichkeiten intensiv besprochen werden.<br>Dabei wurden auch die Grenzen (vielfach von Gemeindemitgliedern angefragter) religi\u00f6ser Interventionen bei seelischen St\u00f6rungen offen, an modernen Therapiekonzepten und auf pragmatische L\u00f6sungs- und Hilfestrategien hin diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Psychotherapeuten\/ Psychiater und Imame, die sich im Alltag oftmals mit wechselseitigem Unverst\u00e4ndnis begegnen (oder aus dem Wege gehen) konnten in den am PIRA-Projekt beteiligten Moscheegemeinden wichtige \u201evertrauensbildende\u201c Schritte unternehmen: von besserem wechselseitigen Verst\u00e4ndnis bis zu konkret konstruktivem Zusammenwirken in Einzelf\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend bietet der Projektverlauf ein gutes Beispiel gelingender Integrationsbem\u00fchungen gerade auch in dem oftmals als integrationshemmend wahrgenommenen Bereich religi\u00f6s-muslimischer Gemeinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das PIRA-Projekt, das von der Deutschen Klassenlotterie Berlin finanziert wird, entspringt einer Initiative des Arbeitskreises \u201eReligion &amp; Psychiatrie\u201c im Verein f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit. Dieser AK veranstaltet seit 2008 allj\u00e4hrlich im November auch das Berliner religionswissenschaftlich-psychiatrische Colloquium, welches gleichfalls auf bundesweite Resonanz st\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Informationen zum PIRA-Projekt<\/strong>, zu wissenschaftlichen Hintergrund-Aspekten wie der assoziierten gesundheits- und versorgungspolitischen Problematik finden sich im Band <strong>\u201eGeistesgew\u00e4rtig beraten\u201c<\/strong> (S.253 \u2013 260, 2015, Neukirchener Verlagsgesellschaft) sowie in der Zeitschrift <strong>spiritual care<\/strong> (Band 6, Heft 1 Jan 2017) sowie auf der Website <strong>vpsg<\/strong> <a href=\"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/auftaktinformationsveranstaltung-in-der-sehitlik-moschee-zum-start-des-vpsg-projekts-pira\/\" data-type=\"post\" data-id=\"197\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>* <strong>Beteiligt am Projekt waren folgende Moscheegemeinden:<br>Sehitlik\/Neuk\u00f6lln, Koca Sinan Camii\/Wedding, Alrissala\/Wedding,<br>Darul Hikma\/Moabit, Dar-as-Salam-Moschee\/Neuk\u00f6lln, Seituna\/Charlottenburg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Autor: Dr. N. M\u00f6nter)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ihrem Start 2015 konnte das Informations- und Beratungsprojekt des Vereins f\u00fcr Psychiatrie und seelische Gesundheit in insgesamt 6 Moscheegemeinden* \u00fcber 1000 pers\u00f6nliche psychiatrische bzw. psychotherapeutische Beratungen, \u00fcber 15 Informationsveranstaltungen und mehrere z.T. zweit\u00e4gige psychiatrische Workshops mit Imamen der t\u00fcrkischen und arabischen Gemeinden durchf\u00fchren, wie der Leiter des PIRA-Projektes Dr. Norbert M\u00f6nter, Arzt f\u00fcr Neurologie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-195","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-presseinformation"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=195"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1006,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195\/revisions\/1006"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/psychiatrie-in-berlin.de\/vpsg\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}